Hoffnung – eine Tugend

Geschrieben am 2. September 2010

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In früheren Jahrhunderten war das Konzept der Tugendethik als normativer Ethik weit verbreitet. Als Tugend galt eine als hochwertig anerkannte Eigenschaft oder Haltung eines Menschen, oder wie der Duden definiert „eine bestimmte sittlich wertvolle Eigenschaft“ bzw. eine „vorbildliche Haltung eines Menschen“[1].

Hoffnung wird in vier wichtigen Tugendlehren erwähnt:

Die drei christlichen Tugenden des Paulus Hoffnung (spes) gilt als eine der drei christlichen Tugenden nach Paulus[2] – neben Glauben (fides) und Liebe (caritas).
Die sieben Kardinals­tugenden des Thomas von Acquin Hoffnung war eine der sieben Kardinaltugenden in der Ethik des Thomas von Acquin: Klugheit, Gerechtigkeit, Mässigung, Tapferkeit sowie die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung
Die zwölf Rittertugenden Hoffnung war eine der zwölf Rittertugend[3] neben Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mässigkeit, Güte, Demut und Liebe
Positive Psychology nach Seligmann Die Positive Psychologie nach Seligman greift in den 1990er Jahren das Konzept der „virtues“ wieder aufbezeichnet. Seligman bezeichnet Hoffnung als eine Charakterstärke, die er zur Grundtugend Transzendenz zählt[4].

In mehreren der traditionellen Tugendlehren taucht die Hoffnung aber nicht auf:

Die antiken vier platonischen bzw. aristotelische
Kardinaltugenden:
  • Klugheit (gr.: phrónesis, lat.: prudentia),
  • Tapferkeit (gr.: andreia, lat.: fortitudo),
  • Mässigung (gr.: sophrosýne, lat.: temperantia),
  • Gerechtigkeit (gr.: dikaiosýne, lat.: justitia)
Bürgerliche
Tugenden:
  • Ordentlichkeit,
  • Sparsamkeit,
  • Fleiss,
  • Reinlichkeit
  • Pünktlichkeit
Preussische
Tugenden:
  • Aufrichtigkeit,
  • Bescheidenheit,
  • Fleiss,
  • Gehorsam,
  • Geradlinigkeit,
  • Gerechtigkeitssinn,
  • Gottesfurcht,
  • Härte gegen sich selbst,
  • Mut,
  • Ordnungssinn,
  • Pflichtbewusstsein,
  • Pünktlichkeit,
  • Redlichkeit,
  • Selbstverleugnung,
  • Sparsamkeit,
  • Tapferkeit ohne Wehleidigkeit,
  • Treue,
  • Unbestechlichkeit,
  • Unterordnung,
  • Zurückhaltung,
  • Zuverlässigkeit

[1] DUDEN (1985/2) Das Bedeutungswörterbuch, Wortbildung und Wortschatz, Mannheim

[2] Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Nach der Übersetzung der Lutherbibel, 1. Brief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 13

[3]Das allegorische Preisgedicht auf Kaiser Karl IV. von Heinrich von Mügeln „Der meide kranz“ (um 1355) enthält eine Tugendlehre, in der die zwölf Tugenden Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mäßigkeit, Güte, Demut, Hoffnung und Liebe auftreten.

[4]http://www.ppc.sas.upenn.edu/.

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